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Von Musikern und Taxifahrern

August 2019

Für Sennheiser ging es Ende Juni und Anfang Juli zweimal nach Berlin, Anreise war jeweils am Vortag, Assistentin Mandy beide Male schon vor Ort. Am Set wurde wegen der international zusammengewürfelten Musiker bei beiden Shootings Englisch gesprochen.

Ende Juni ging es früh morgens nach einer warmen Hotelnacht zum „Jazzanova Recording Studio“, kurz JRS. Das Studio liegt am angenehm unaufgeregt wirkenden Ende des Prenzlauer Bergs – in der sprichwörtlichen zentralen Randlage – und ist in einer ehemaligen Fabriketage beheimatet. Doch leider ist es im 5. Stock und der erhoffte Fahrstuhl fehlt, sodass das gesamte Team bei schon früh am Morgen herrschender Affenhitze das Equipment peu à peu hochtragen musste.

Fotografisch „auf leisen Sohlen“ begleitet hat Daniel an diesem Tag die Künstlerin Yetundey bei ihrer Aufnahme. Sie ist Rapperin, Sängerin und Songschreiberin, geboren in Ostdeutschland und französisch-nigerianischer Abstammung. Ihr Leben ist geprägt durch die darstellenden Künste und sie hat schon seit ihrer Kindheit viel Zeit auf der Bühne verbracht.

Vor Ort war auch Axel Reinemer, Gründer des JRS, der sich seit über 30 Jahren der Musikproduktion verschrieben hat. Seit 1996 wächst sein internationaler Bekanntheitsgrad als Mitbegründer des legendären Berliner Produzenten- und DJ-Kollektivs „Jazzanova“ sowie des zugehörigen Labels „Sonar Kollektiv“. Aus dem zunächst bandeigenen Studio entstand 2013 das kommerzielle Recording- und Mix-Studio.

Im Anschluss an Yetundey wurde der im Studio ansässige Singer-Songwriter David Lemaitre bei seiner Arbeit fotografisch still begleitet. Geboren wurde dieser irgendwann Mitte der Achtziger im bolivianischen La Paz. Mit Anfang zwanzig verschlug es David nach Europa, heute lebt er in Berlin.

Das Ende eines heißen aber erfolgreichen Tages nahte sich und wir fuhren mit einem kühlen, alkoholfreien Weizenbier im angenehm klimatisierten ICE nach Hause.

Eine gute Woche später zogen wir wieder nach Berlin, dieses Mal aber nach Kreuzberg in die TRIXX Studios, die 1985 gegründet wurden. Den Abend des Vortages nutzten wir, um mit dem Team über die Bergmannstraße zu schlendern und uns in einem kleinen Lokal namens „Felix Austria“ zu besprechen, abzustimmen und uns einzugrooven. Eigentlich war dort kein Tisch mehr frei, aber es wurde uns doch noch direkt an der Küche etwas angeboten. Zum großen Gefallen von Mandy und Marco spielte der Koch neben uns bei seiner Arbeit Rock und Punk von AC/DC, Slime, The Clash …! Das Essen gelang ihm aber – vielleicht gerade wegen der Musik – hervorragend, es war nämlich köstlich. Abschließend gönnten wir uns alle noch ein Bier im Braugasthaus „Dolden Mädel“. Zum Glück bot das Hotel „Sarotti Höfe“ ein wunderbares Zimmer im Retro-Look, wo wir uns nachts gut ausruhen konnten.

Der nächste Morgen startete etwas holperig, da die Zufahrt vom Studio von etlichen Großbaustellen blockiert war. Sobald das ganze Team angekommen war, brachten wir das Equipment bei beginnend heißen (aber längst nicht so extremen wie in der Woche vorher) Temperaturen ins Studio. Steffi, die gute Seele des Hauses, begrüßte uns und machte uns mit den Regeln vertraut.

Der Multi-Instrumentalist, Producer und Songwriter Johnny Kulo wurde von uns an diesem Tag bei seiner Arbeit im Studio mit der Kamera begleitet. Zuständig für die Aufnahmen war Recording Engineer Fabio Buemi von Trixx. Johnny Kulos Songs kommen vor allem aus dem R&B-Soul-Genre. Sein Motto: „I make beats, play a bunch of instruments and like to sing when I‘m not too busy looking for a decent place to eat curry in Berlin“.

Assistenz Mandy hatte sich in der Küche neben den gekühlten Getränken einen Arbeitsplatz zur Datenübertragung gesichert, während Daniel im Aufnahmeraum beim ich-bin-eigentlich-überhaupt-nicht-da-fotografieren einen Schweißfluss nach dem anderen bekam.

Der zweite Shootingtag ging zu Ende und wir machten uns höchst zufrieden auf den Weg zum Bahnhof. Auf der Fahrt dorthin erzählte uns der Taxifahrer, dass er aus Mesopotamien (oder auch Zweistromland) stammt und bei einer großen Flut in den 60er-Jahren geboren wurde. Das genaue Datum kennt er nicht, denn seine Mutter sagte immer nur: „Es ist der Tag, an dem die große Flut war“. Mitten im Gespräch rief sein Sohn an und forderte dringlichst eine Botenfahrt zum Dönerladen, um etwas nach Hause gebracht zu bekommen. Die Antwort des Vaters: „Lieber fahre ich meine Gäste ganz bis nach Hannover, statt dir jetzt einen Döner zu bringen“. Das haben wir dann aber nicht in Anspruch genommen, auch wenn wir sicher gute Unterhaltung gehabt hätten.

Assistenz Mandy Klötzer, Licht Marco Minwegen

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